Vom Hexengerede in Schlangen

440px-neuwalt_1584_0.pngIn einigen Ausgaben des Gemeindeboten der Jahre 1955/1956 finden sich Teile eines Werkes „Schlangen nach dem Dreißigjährigen Krieg“ aus der Feder des ehemaligen Lehrers D. Hausmann. In der Asugabe Nr. 3 vom 20. Mai 1956 findet sich dort unter anderem dieser Textauschnitt:

„Auch das Gerede von Hexen und der Zauberei hat es damals in unserem Dorfe gegeben, besonders in den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts. So beklagte sich der alte Wegener einst vor Gericht, daß er für einen Währwolf und Hexenmeister gescholten wäre. Auch hätte ihm der Schütze des Herrn von Haxthausen auf Dedinghausen vorgehalten, wieviele Schafe er wohl zerrissen hätte, und als er näher gekommen wäre, hätte er die Büchse an den Kopf gelegt und ihm damit gedroht. Schon 1660 mußte sich Becker Nesen Ilsche vor Gericht beklagen, daß Rieken Johansen Frau sie für eine „Unwettersche und speculirsche“ gescholten hatte. 1676 beklagte die Bögersche im Bauernkampe, daß Jost Fußknechts Frau ihr nachgeredet hätte, sie, die Bögersche, habe den im Hof gewesenen Mädchen das Zaubern beigebracht. Beim gleichen Gerichtstermin bringt aber auch Jost Fußknecht vor, die Corneliussche hätte behauptet, sein Sohn solle das Hexen lernen. Schließlich beschuldigte gleichzeitig die ganze Dorfschaft Schlangen den Böger im Bauerkamp, nur er, seine Frau und seine Kinder wären die Ursache dazu, daß böse Gerüchte wegen der Zauberei unter die leute gekommen wären, seine Großtochter hätte sogar Leute gekannt, die mit auf den Hexentanz kämen. Schließlich untersagte das Gericht unter Androhung einer schweren Gefängnisstrafe allen, von dieser Materie noch weiter zu reden.“ – so D. Hausmann.

Anmerkung:

Die Aufzeichnungen zeigen, dass auch Schlangen während der europäischen Hexenverfolgung (1450 – 1750) von Gerüchten um Hexerei und Zauberei nicht verschont blieb. Die, damals zum Großteil von der Kirche gesteuerte, Aktion gegen „Ketzerei“ dürfte zu dem Zeitpunkt der Aufzeichnungen aus Schlangen schon über den Höhepunkt hinaus gewesen sein, was die Behandlung durch das Gericht erklären dürfte. Während in vielen Teilen Europas noch lanze Zeit Hinrichtungen von angeblichen Hexen folgten (1793 im Großherzogtum Posen, 1836 auf der Halbinsel Hela) zeigte sich das Urteilsvermögen der damaligen Schlänger Bevölkerung scheinbar schon damals.

Infos zur Geschichte der Hexenverfolgung auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Hexenverfolgung

Infos zur Hexenverfolgung in Lippe: http://www.historicum.net/themen/hexenforschung/lexikon/alphabethisch/h-o/art/Lippe_Hexenve/html/artikel/1622/ca/14974a690d/

Das Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo: http://www.hexenbuergermeisterhaus.de/